Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik

Averhoff flyer
   
   

Die Übertragung von Desoxyribonukleinsäure (DNA) und ihrer Erbinformationen zwischen unterschiedlichen Organismen ist ein permanenter Prozess. Der Gentransfer zwischen Ein- und Mehrzellern in einem Biotop ermöglicht zum Beispiel die Anpassung an wechselnde oder extreme Umweltbedingungen. Dieser – stark regulierte – Austausch der mobilen Bereiche der DNA zwischen Zellen zur Aneignung neuer Eigenschaften gelingt über drei bisher bekannte Mechanismen: Konjugation, Transduktion und Transformation. Professor Beate Averhoff analysiert vor allem den Prozess der Transformation, für den kein direkter Kontakt zwischen den Zellen nötig ist und der natürlich und zufällig abläuft. So wird etwa durch das Absterben eines Bodenbakteriums dessen DNA frei und von anderen Organismen aufgenommen, wenn sie über einen passenden Transporter verfügen. Dass der sogenannte horizontale Gentransfer zwischen wenig verwandten Arten in seinem Ausmaß eklatant ist und die Evolution biologischer Systeme entscheidend beeinflusst hat, wiesen erst in den vergangenen Jahren Genomvergleiche nach. Averhoff und ihr Team erforschen die molekularen Grundlagen dieses Transfers und seine Regulation durch die Zellen. An dem Bakterium Thermus thermophilus, das bei Temperaturen zwischen 45 und 85 Grad Celsius existiert und dessen Genom vollständig entschlüsselt ist, konnte die Arbeitsgruppe 2003 als erste weltweit ein Modell des DNA-Aufnahmeapparates dieses Bakteriums entwerfen. Für die aufwändige und komplexe Analyse vereint Averhoff genetische, molekularbiologische und biochemische Ansätze. In einem Kooperationsprojekt untersucht sie unter anderem mit medizinisch fokussierten Mikrobiologen die Anpassungsstrategien krankheitserregender Acinetobacter-Bakterien an die aufnehmende Wirtszelle. Diese Organismen können zum Beispiel im Menschen gefährliche multiple Resistenzen aufbauen und verbreiten.

„In diesem Gebiet mit einem sehr schnellen Wissenszuwachs können Studierende an aktuellen Forschungsthemen mitarbeiten und neben einer Fülle an Techniken auch lernen, wissenschaftliche Daten angemessen aufzuarbeiten und zu präsentieren“, so Averhoff. Durch ihre industriellen Kooperationen erhalten die Studierenden darüber hinaus Einblick in unterschiedliche Arbeitsfelder der Mikrobiologie.

Zur Person

Averhoff klein

An ihr Studium der Biologie in Göttingen schloss Beate Averhoff am dortigen Institut für Mikrobiologie ihre biotechnologisch ausgerichtete Dissertation über Enterobakterien an. Als Postdoktorandin und Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) forschte sie in Yale, USA. Nach einer zweijährigen Mitarbeit an der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung heute Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung) in Braunschweig baute Averhoff ab 1992 in Göttingen eine eigene Arbeitsgruppe auf und wurde 1998 dort im Bereich Mikrobiologie habilitiert. Der Vertretung einer Professur für Genetik an der Universität München folgte 2004 der Wechsel an die Frankfurter Goethe-Universität. 2006 wurde Averhoff am Institut für Molekulare Biowissenschaften zur außerplanmäßigen Professorin ernannt.

Kontakt:

Apl. Prof. Dr. Beate Averhoff
Institut für Molekulare
Biowissenschaften
Max-von-Laue-Str. 9
60438 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 798 29509
E-Mail: Averhoff@bio.uni-frankfurt.de
www.bio.uni-frankfurt.de