Stoffwechselphysiologie

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Je nach Lebensraum und individueller (ontogenetischer) Entwicklung unterscheiden sich die Energiehaushalte von Tierarten. Manche Vögel, Säuger oder Reptilien müssen sich an extreme Umweltbedingungen anpassen und zeichnen sich dabei zum Beispiel durch die Fähigkeit zum Winterschlaf, zur Winterruhe oder zum Hunger- oder Kälteschlaf (Torpor) aus. Für die Bestimmung der jeweils artspezifischen Stoffwechselphysiologie untersuchen Professor Roland Prinzinger und sein Team diverse Parameter. Dazu zählen das Alter von Tieren, die Morphologie ihrer Organe und die Physiologie der Körpertemperatur, des Blutes, der Herz- und Atemfrequenz sowie des Gasstoffwechsels. Einige Daten werden telemetrisch gewonnenen, indem zum Beispiel Vögeln kleine Messsender implantiert werden. Für die Erstellung der umfassenden Energiebilanzen bezieht Prinzinger, einem holistischen Ansatz folgend, sowohl Nahrungsausnutzungsraten und Verdauungsgeschwindigkeiten in seine Forschung ein, wie auch die evolutionäre Anpassung der Eigenschaften (Ökophysiologie) und des Verhaltens (Ethoökologie) von Tieren an ihre Umwelt. Darüber hinaus erstellt der Arbeitskreis vergleichende embryogenetische und ontogenetische Studien zur Alternsphysiologie, zur Herzphysiologie und zur Morphologie und Serologie des Blutes von Tieren: Bei der Analyse verschiedener Vogeleier mit Bebrütungszeiten zwischen elf und neunzig Tagen entdeckte Prinzinger zum Beispiel, dass der Energieverbrauch der wachsenden Embryonen trotz der unterschiedlichen Eimasse und Bebrütungszeit gleich hoch ist, alle Küken also nach der gleichen „Energiezeit“ schlüpfen.

Zu den weiteren Schwerpunkten Prinzingers im Bereich der Ornithologie gehört seit vierzig Jahren die langfristige Erforschung der Zusammensetzung von Vogelarten in bestimmten Habitaten (Avifauna).

„Neben der Erfassung und Auswertung physiologischer Daten sowie dem Erlernen der Operationstechnik für die Implantierung von Sendern bei Vögeln können die Studierenden von unseren Kooperationen zu Zoologischen Gärten, dem Staatlichen Veterinäramt und pharmazeutischen Unternehmen profitieren“, berichtet Prinzinger. 2003 wurde er vom Präsidium der Goethe-Universität und der 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse mit dem 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre ausgezeichnet.

Zur Person

Prinzinger klein

Prinzinger studierte in Tübingen Chemie und Biologie. Nach dem Abschluss seiner Dissertation über vergleichende Energetik der Rabenvögel arbeitete er sechs Jahre als Assistent am dortigen Lehrstuhl für Zoophysiologie. 1982 wurde Prinzinger von der Universität Tübingen mit einer Arbeit über Stoffwechsel- Energetik bei Homoiothermen habilitiert und unterrichtete danach zunächst Mathematik und Chemie als Gymnasiallehrer. 1984 erhielt er den Ruf an die Universität Frankfurt. Am Fachbereich Biowissenschaften übernahm er verschiedene Ämter, so von 1997 bis 2000 das Dekanat. Prinzinger ist gewähltes Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Goethe-Universität. Neben weiteren Auszeichnungen erhielt er 1989 den Forschungspreis des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten und 1994 den Ornithologenpreis der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft.

Kontakt:

Prof. Dr. Roland Prinzinger
Institut für Ökologie, Evolution
und Diversität
Max-von-Laue-Str. 13
(Biologicum, Flügel D)
60438 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 798 42237
E-Mail: Prinzinger@bio.uni-frankfurt.de
www.bio.uni-frankfurt.de