Aquatische Ökotoxikologie

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Chemische Produkte, die in die Umwelt gelangen, werden immer auch von dort lebenden Organismen aufgenommen. Die Folgen insbesondere für Gewässer-Ökosysteme untersucht Professor Jörg Oehlmann. Er entdeckte, dass Bestandteile von Umweltchemikalien hormonähnliche Wirkungen auf Lebewesen zeigen. Diese Umwelthormone (endokrine Disruptoren) sind strukturanalog zu Hormonen wie dem weiblichen Sexualhormon Östrogen aufgebaut, binden in den Zellen an deren Rezeptoren oder beeinflussen die Wirkungspotentiale natürlicher Hormone. Dadurch können die Fortpflanzung, die Entwicklung und das Wachstum von Tieren beeinträchtigt werden. Die Methode des Biologischen Effektmonitorings ermöglicht es, von spezifischen Schadstoffwirkungen auf Organismen Rückschlüsse auf die Belastung der Umwelt mit diesen Substanzen zu ziehen. Dies erforscht die Arbeitsgruppe an Weichtieren (Mollusken), Insekten, Pflanzen, Bakterien und Pilzen.

Auch Menschen sind durch Arznei- und Körperpflegemittel sowie Lebensmittel Umwelthormonen ausgesetzt, die eventuell hormonabhängige Krebserkrankungen auslösen können. An genetisch veränderten Hefestämmen wiesen Oehlmann und sein Team zum Beispiel hormonähnliche Aktivitäten in Mineralwasser aus Kunststoffflaschen nach. „Unser Ziel ist es, die Aufnahme dieser Substanzen durch Organismen zu erforschen und die Entwicklung ihrer Konzentration, die Toxikokinetik, bis zum Abbau zu verfolgen“, berichtet Oehlmann.

Darüber hinaus gehören die ökotoxikologische Bewertung von Abwasserreinigungstechnologien und die Analyse von Flusssedimenten zu Oehlmanns Forschungsschwerpunkten. Die Ergebnisse fließen in die Entwicklung biologischer Testsysteme und Bewertungsstrategien ein, zudem erstellt das Team toxikologische Risikoanalysen. So hatten Oehlmanns Forschungsergebnisse über das Artensterben im Umkreis von Häfen wesentlichen Anteil am Verbot von Organozinn-Verbindungen in Antifoulingfarben für Schiffe in der Europäischen Union im Jahr 2003.

In der Lehre ist es Oehlmann wichtig, die wissenschaftlichen Inhalte anwendungsorientiert an Studierende zu vermitteln und sie für Berufswege in Bundesbehörden oder in der Industrie zu qualifizieren. An der Goethe-Universität etablierte Oehlmann Ökotoxikologie als einen Arbeitsschwerpunkt in den Masterstudiengängen „Ökologie und Evolution“ sowie „Umweltwissenschaften“.

Zur Person

Oehlmann klein

An der Universität Münster studierte Jörg Oehlmann Biologie und Deutsch und wurde mit einer Arbeit über Störungen der Sexualdifferenzierung von Meeresschnecken durch Organozinn- Verbindungen promoviert. Von 1994 bis 2001 forschte und lehrte er, unter anderem als Stellvertretender Leiter, am Lehrstuhl für Umweltverfahrenstechnik am Internationalen Hochschulinstitut Zittau. 1998 wurde er dort für seine Forschung an Vorderkiemerschnecken habilitiert. Seit 2001 ist Oehlmann Professor an der Universität Frankfurt. Er ist Mitglied der Goethe Graduate Academy (Grade), Sprecher des Graduate Centres Grade Sustain und übernahm am Fachbereich Biowissenschaften bisher verschiedene Funktionen, so als Pro- und Studiendekan. Seine Arbeit ist Teil des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiKF) der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität.

Kontakt:

Prof. Dr. Jörg Oehlmann
Institut für Ökologie, Evolution
und Diversität
Max-von-Laue-Str. 13
(Biologicum, Flügel C)
60438 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 798 42140
E-Mail:
oehlmann@bio.uni-frankfurt.de
www.bio.uni-frankfurt.de