Der Schwerpunkt unserer Forschung liegt
auf der Untersuchung der Regulation des vesikulären Membrantransports, der für
die Freisetzung von Neuropeptiden und die zelluläre Homöostase im Zusammenhang
mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson erforderlich ist. Wir
verwenden den kleinen (1 mm) Fadenwurm Caenorhabditis
elegans als multizelluläres Modellsystem, um diese Prozesse zu untersuchen,
indem wir Molekularbiologie und Genetik mit hochauflösender Mikroskopie
kombinieren, die von konfokalen bis zu elektronenmikroskopischen Techniken
reicht. Insbesondere haben wir kürzlich erfolgreich hochauflösende Live-Cell-Imaging
etabliert, um intrazelluläre Membrantransportvorgänge in vivo in Echtzeit zu
verfolgen. Dies ist möglich, da C.
elegans während seiner gesamten Entwicklung sowie im adulten Stadium
vollständig transparent ist. Daher eignet sich der Wurm perfekt für
mikroskopische Anwendungen. Aufgrund seines kurzen Reproduktionszyklus von 3
Tagen und seiner durchschnittlichen Lebensdauer von etwa 20 Tagen dient C. elegans auch als
Hauptmodellorganismus zur Untersuchung des Alterns sowohl auf zellulärer als
auch auf organismischer Ebene. Mit C.
elegans hat unsere Gruppe drei Hauptforschungsgebiete:
Die Parkinson-Krankheit (PD) ist die
zweithäufigste Form der altersbedingten Neurodegeneration und durch einen
fortschreitenden Verlust dopaminerger Neuronen gekennzeichnet. Trotz ihrer
Verbreitung treten die meisten Fälle von PD sporadisch auf, wobei die Ursache
der Erkrankung noch unbekannt ist. Darüber hinaus werden etwa 10 % der PD-Fälle
durch genetische Mutationen verursacht und werden daher vererbt, was die
Identifizierung von PD-assoziierten Genen ermöglicht hat. Anhand von C. elegans versuchen wir, die zelluläre
Funktion dieser Parkinson-assoziierten Gene sowie deren genetische
Wechselwirkungen mit anderen Signalwegen und dem Zellstoffwechsel zu bestimmen.
Damit wollen wir die frühen molekularen und zellulären Veränderungen verstehen,
die zur Entstehung von PD führen. Diese Forschung hat uns dazu veranlasst,
detailliert zu untersuchen, wie die mitochondriale Qualitätskontrolle und
Homöostase durch den Membrantransport und die selektive Autophagie (Mitophagie)
der Mitochondrien gesteuert werden. Derzeit untersuchen wir, wie eine
Beeinträchtigung der Mitophagie die neuronale Aktivität, Funktion, Alterung und
das Überleben der dopaminergen Neuronen beeinflusst. Dadurch versuchen wir die
genauen zellulären Mechanismen zu verstehen, die zur Parkinson-assoziierten Neurodegeneration
führen.
Für eine schnelle synaptische
Kommunikation setzen präsynaptische Neuronen chemische Neurotransmitter aus
synaptischen Vesikeln (SV) frei. Diese Neurotransmitter wirken lokal, um
Liganden-gesteuerte Ionenkanäle an der postsynaptischen Membran zu öffnen und
so die postsynaptischen Zellen zu aktivieren oder zu hemmen. Zusätzlich zu den
SVs setzen Neuronen auch Neuropeptide und Hormone aus Dense Core Vesikeln
(DCVs) frei, um die neuronale Funktion und Aktivität zu modulieren. Während
Neurotransmitter lokal wirken, haben Neuropeptide und Hormone eine eher
weitreichende Wirkung und können daher größere Hirnregionen global modulieren.
Trotz ihrer Wichtigkeit für die Funktionen unseres Gehirns ist nur wenig über
die Mechanismen bekannt, wie DCVs gebildet, transportiert und selektiv neben
SVs freigesetzt werden. Mithilfe einfacher C.
elegans-Assays zur Überwachung der neuronalen DCV-Freisetzung in vivo haben
wir entdeckt, dass die RAB-2-GTPase und ihre Effektoren die DCV-Biogenese durch
Regulierung der retrograden Sortierungswege während der DCV-Reifung steuern.
Darüber hinaus haben wir beobachtet, dass die GTPasen RAB-5 und RAB-10 eine
neuartige Rab-Ausschlusskaskade für die Cargo-Sortierung auf Endosomen bilden,
die für eine effiziente DCV-Sekretion erforderlich ist. Kürzlich haben wir auch
aufgeklärt, wie die DCV-Freisetzung durch eine Integration von Insulin- und
TORC2-Signalwegen zusammen mit der Verfügbarkeit von Phosphatidylinositol-3-phosphat
(PI3P) in späten endosomalen/lysosomalen Kompartimenten metabolisch reguliert
wird. Zusammen genommen weisen unsere Forschungsergebnisse auf eine komplexe
Regulation der DCV-Signalübertragung durch Rab-GTPasen und
Phospholipid-Mikrodomänen hin.
Aufgrund seiner Transparenz bietet C. elegans hervorragende Möglichkeiten
für die Lichtmikroskopie und in-vivo-Bildgebung der Zelldynamik. Darüber hinaus
kann C. elegans aufgrund seines
einfachen Körperbaus und seiner invarianten Entwicklung auf zellulärer Ebene
auch effizient zur Untersuchung der zellulären Ultrastrukturen verwendet
werden, die für den molekularen Membrantransport und die zelluläre Homöostase
erforderlich sind, und zwar mittels Elektronenmikroskopie (EM). Mit modernen
Hochdruck-Gefrier-EM-Techniken (HPF), die zelluläre Strukturen ohne vorherige
chemische Fixierung kryo-immobilisieren, können wir eine hervorragende
Erhaltung der zellulären Ultrastrukturen erreichen. Dies ermöglichte es uns,
die Ultrastrukturen synaptisch aktiver Zonen und Golgi-assoziierter
ER-Ausgangsstellen sowie Prozesse wie die SV-Biogenese und die Entfernung
beschädigter Mitochondrien durch Mitophagie mittels EM-Tomographie zu
untersuchen. Derzeit kombinieren wir zudem Licht- und Elektronenmikroskopie Techniken,
um präzise ultrastrukturelle Zwischenprodukte während dynamischer
Membrantransportprozesse mittels korrelativer Licht- und Elektronenmikroskopie
(CLEM) einzufangen.