Paläobiologie der Wirbeltiere

Schrenk flyer
   
   

Vor etwa sieben Millionen Jahren begann in Afrika die Evolution der Menschen. Aus diesen frühen Vorläufern entstand vor ungefähr zweieinhalb Millionen Jahren die Gattung Homo. Ihre Entwicklung und die des späteren Homo erectus erforscht Professor Friedemann Schrenk. Anhand fossiler Belege will er die chronologische und räumliche Ausbreitung der Hominiden innerhalb Afrikas und später nach Asien und Europa nachvollziehen. Eigene Hominidenfunde am afrikanischen Malawi-See belegen den gemeinsamen Ursprung der Gattung Homo und der inzwischen ausgestorbenen Nussknackermenschen. Fragmente wie diese interpretiert Schrenk im Hinblick auf den größeren Zusammenhang des damaligen Lebensraumes und der Umwelt- und Ernährungsbedingungen. Durch fächerübergreifende Forschungskooperationen und moderne Analysemethoden lassen sich an den Hominidenund Säugetierfunden zahlreiche Informationen ablesen, die weit über eine Datierung hinausgehen. So gibt die Mikrostruktur von Zähnen Auskunft über ihre Funktion und damit auf das Nahrungsspektrum. Die Untersuchung des Schädels zeigt die Schnelligkeit seines Wachstums, während die Ausrichtung der Zwischenwände der Knochen (Trabekel) Rückschlüsse auf die Art der Bewegung ziehen lässt. Durch die Analyse von Sauerstoffisotopen in Zähnen ist sogar eine Interpretation von Klimaveränderungen möglich. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit Geowissenschaftlern, um geeignete Grabungsorte ausfindig zu machen, Sedimentschichten zu datieren und ursprüngliche Landschaften zu rekonstruieren.

Für eine Einordnung der Hominidenfunde in Evolutionsprozesse bilden Veränderungen des Skeletts und des Gebisses Anhaltspunkte, aber auch die Entwicklung einer Werkzeugkultur in der Gattung Homo. „Bei der Geländearbeit vor Ort ist es uns sehr wichtig, unsere afrikanischen Kooperationspartner und die Bevölkerung in unsere Forschungsziele einzubeziehen. In Karonga in Nord-Malawi gibt es nun zum Beispiel ein Museum über die frühe Geschichte der Region“, berichtet Schrenk.

Die Themen seiner Lehre reichen von der Evolution der Wirbeltiere bis zur Funktionsmorphologie an fossilen Hartgeweben. Schrenks Studierende können darüber hinaus von den umfangreichen Sammlungen des Forschungsinstituts Senckenberg und seinen internationalen Kooperationen profitieren.

Zur Person

Schrenk klein

Friedemann Schrenk studierte Geologie, Zoologie und Paläontologie an der Technischen Universität Darmstadt und in Johannesburg, Südafrika. Er schloss eine Promotion über die Schädelentwicklung von Nagetieren an der Universität Frankfurt an. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter forschte er am Zentrum für Morphologie des Universitätsklinikums Frankfurt und im Bereich Spezielle Zoologie an der Universität Tübingen. Als Leiter der Paläontologischen Abteilung und als stellvertretender Direktor arbeitete er am Hessischen Landesmuseum Darmstadt. 1994 wurde Schrenk mit einer Arbeit über den Hominiden-Korridor Südostafrikas von der TU Darmstadt habilitiert. Seine Professur in Frankfurt trat Schrenk 2000 an. Am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum leitet er die Sektion Paläoanthropologie.

Kontakt:

Prof. Dr. Friedemann Schrenk
Institut für Ökologie, Evolution
und Diversität
Max-von-Laue-Str. 13
(Biologicum, Flügel D)
60438 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 798 42230
E-Mail: schrenk@bio.uni-frankfurt.de
www.bio.uni-frankfurt.de