Evolutionäre Analyse/ Biologische Archive

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Sie kommen überall auf der Welt und in sehr vielen Arten vor – und doch sind Oomyceten kaum bekannte Lebewesen. Sie gehören zum Reich der Straminipila, das sich grundlegend von Pflanzen, Pilzen und Tieren unterscheidet und zu dem auch Kiesel- und Braunalgen gehören. Während manche Oomyceten enge Symbiosen mit ihren Wirtspflanzen eingehen, richten andere Arten besonders in der Landwirtschaft großen Schaden an, wie zum Beispiel die Kraut- und Knollenfäule im Kartoffelanbau, die im 19. Jahrhundert in Irland schwere Hungersnöte verursachte.

Bisher sind etwa 2.000 Arten von Oomyceten beschrieben, doch Professor Marco Thines schätzt ihre Zahl von der Arktis bis in die Tropen auf bis zu 20.000. Er erforscht ihr heutiges Vorkommen und ihre ökologische Bedeutung. Darüber hinaus rekonstruiert er die evolutive Abstammung (Phylogenie) der Oomyceten. Durch vergleichende Genund Genomanalysen versucht er zu entschlüsseln, wie sie sich neue Lebensräume und Wirte erschließen. Dafür greift er auch auf Belege aus historischen Sammlungen zurück – und entwickelt mit seiner Arbeitsgruppe Methoden für deren Nutzung für evolutionäre Analysen weiter.

Bei seinen Untersuchungen, wie sich der Klimawandel auf Oomyceten auswirkt, stellte Thines fest, dass einige Arten stark temperaturabhängig sind und manche Pathogene andere Präferenzen zeigen als ihre Wirte. Daher wird sich vermutlich die Verbreitung zahlreicher Krankheiten an Wild- und Nutzpflanzen verändern. Die Resultate seiner Forschung will Thines in die Gesellschaft transferieren: „Wir finden immer wieder neue Arten von Pflanzenschädlingen. Über sie wollen wir Informationen bereitstellen, damit gegebenenfalls Quarantänevorschriften oder maßgeschneiderte Bekämpfungsstrategien eine weitere Ausbreitung verhindern können“.

Auch in Thines Lehre bilden Symbiosen von Pflanzen einen Schwerpunkt, so zum Beispiel als Modul im Masterstudiengang „Ökologie und Evolution“. Um Studierende möglichst nachhaltig zu unterrichten, legte er 2008 das Hochschuldidaktik-Zertifikat des Landes Baden-Württemberg ab. Auch einen Einblick in die berufsorientierte Anwendung seiner Forschung kann Thines ihnen vermitteln – das von ihm mitgegründete Unternehmen „IdentXX“ analysiert Saatgut und Jungpflanzen auf Schaderreger wie Oomyceten und hat dafür eine neue Nachweismethodik entwickelt.

Zur Person

Thines klein

Marco Thines studierte von 1999 bis 2003 an der Universität Hohenheim Biologie. Mit einer Arbeit über obligat biotrophische Peronosporomyceten wurde er 2005 dort promoviert. Danach studierte er vier Semester Journalistik. 2006 war Thines Mitbegründer des Unternehmens PathoScan, heute IdentXX GmbH. Am Institut für Botanik in Hohenheim leitete er von 2007 bis 2010 eine Arbeitsgruppe zur Biodiversität der Oomyceten in der Abteilung für Biodiversität und Interaktion von Pflanzen. 2009 wurde er für seine Forschung über die Taxonomie und Evolution pflanzenpathogener Oomyceten habilitiert. Anschließend forschte er unter anderem am Sainsbury Laboratory in Norwich, Großbritannien. Seit 2010 ist Thines Professor am Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiKF) der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität.

Kontakt:

Prof. Dr. Marco Thines
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität/Biodiversität und Klima
Forschungszentrum Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 7542 1851
E-Mail: Thines@bio.uni-frankfurt.de
www.bio.uni-frankfurt.de